Gendoping – Die Mutanten greifen an

Journalismus / Video

Dokumentarfilm über die modernste Art der Leistungssteigerung im Sport

  Sendetermine: Freitag, 30 Juli 2010 21.50, ARTE, Montag, 2. Mai 2011 in hitec auf 3sat   Dopingmittel wie Epo, Anabolika und Testosteron sind Auslaufmodelle. Künftig wird mit Genen gedopt. Der genetisch aufgepeppte Athlet klingt für viele noch wie Science Fiction, doch die Welt-Anti-Doping-Agentur warnt eindringlich vor dem Gendoping. Es wird das potenteste Doping aller Zeiten sein und darüber hinaus nicht nachweisbar – aber auch das gefährlichste.
Die Dokumentation des mehrfach preisgekrönten Schweizer Wissenschaftsjournalisten und Dopingkenner Beat Glogger zeigt, was Gendoping ist, warum die Dopingbekämpfer solche Angst davor haben und welches Risiko die Athleten eingehen, wenn sie es anwenden. Das Filmteam hat Forschungslaboratorien in Europa und den USA besucht und gefragt, wann das „unsichtbare Doping“ kommt. Niemand weiss, ob es heute schon an Athleten ausprobiert wird, aber die Dopingbehörden fördern intensiv Forschungsprojekte zum Beispiel an der Deutschen Sporthochschule in Köln, um Nachweismethoden zu entwickeln, damit die gefährliche Methoden nicht Realität wird.
Entwickelt wird Gendoping aber nicht von skrupellosen Wissenschaftlern, die das grosse Geld gerochen haben. Sondern es geht um Gentherapien, die dereinst Menschen mit unheilbaren vererbten Krankheiten heilen sollen: zum Beispiel die Duchenne Muskeldystrophie, die langsam alle Muskeln des Körpers zerstört. Doch solche Therapien können auch zum Dopen missbraucht werden. Mit  gewaltigen Nebenwirkungen. Der genetisch manipulierte Sportler wird kommen Nadia Rosenthal vom Europäischen Molekularbiologischen Labor in Rom war bereit, mit dem Filmteam zu sprechen. Sie weiss, dass ihre Methode ein gewaltiges Potenzial hat und hofft, dass Patienten mit unheilbarem Muskelschwund davon profitieren, bevor sich Athleten mit einer Portion Genetik gewaltige Turbo-Muskeln zulegen. Dass genetische Methoden von Sportlern zur Leistungssteigerung missbraucht werden, steht für den Vater der Gentherapie, Theodore Friedmann von der School of Medicine in  San Diego, ausser zweifel. Und Mark Frankel, der Präsident der Ethikkommission der grössten Amerikanischen Wissenschaftsvereinigung AAAS, ruft dazu auf, dass Forscher, Behörden und Ärzte zusammenarbeiten müssen, um junge Athleten vor diesen Methoden zu schützen.  
Gendoping für jedermann? Dann ist da aber auch der Britische Bioethiker Andy Miah auf, der alles gar nicht so schlimm findet. Die Genveränderung sei für den Menschen eine Chance, sagt er, und bringt so manches Urteil des Zuschauers ins Wanken. Damit erhält der Film eine Bedeutung weit über den Sport hinaus. Er stellt die Frage nachder Zukunft des Menschen: wenn eines Tages Gentherapien verfügbar sind, werden wir sie womöglich nicht nur schwer behinderten Menschen, sondern auch Alten zugute kommen lassen. Und dann ist der Schritt zum Gesunden, der sich einfach etwas aufpeppen will, nicht mehr weit. Werden dann auch die Sportler Zugriff haben? Und: ist es nicht gerade unsere Leistungsgesellschaft, die nicht nur die Sportler, sondern uns alle immer mehr zu leistungssteigernden Mitteln hindrängt?