Ohne es zu wollen, begünstigen Männer ihre Söhne, Frauen ihre Töchter. Das sagt eine neue Studie. Eltern sollten sich deshalb stets selber beobachten und hinterfragen.

Beautiful family outdoors on summer day

Der Vater fühlt sich dem Sohn näher, die Mutter der Tochter – Eltern begünstigen unbewusst ihr eigenes Geschlecht. iStock

Die meisten Eltern gehen wohl davon aus, dass sie ihre Kinder genau gleich behandeln. Das stimmt aber nicht, zeigt ein Experiment von Forschern der Universität Minnesota: Mütter begünstigten ihre Töchter, Väter dagegen die Söhne.

 

An dem Versuch der US-Psychologen haben 52 Mamis und Papis teilgenommen. Alle hatten mindestens sowohl eine Tochter wie auch einen Sohn. Die Probanden füllten zunächst eine Umfrage aus, in der sie einen Zoobesuch beurteilen sollten. Das war aber bloss ein Vorwand, denn eigentlich wollten die Forscher herausfinden, ob die Eltern Kinder ihres eigenen Geschlechts begünstigen. Die teilnehmenden Mütter und Väter erhielten daher am Ende der Befragung ein Los für ein Gewinnspiel.

 

Unbewusste Bevorzugung

Die Eltern mussten sich nun entscheiden, welchem ihrer Kinder sie ein Geschenk machen wollten. Sie warfen das Los in einen von zwei beschrifteten Briefkästen: «Mädchen-Geschenk» oder «Jungen-Geschenk». So stellten die Forscher fest, dass die Mehrzahl der Mütter, 76 Prozent, ihre Tochter beschenken wollten. Auch die Väter begünstigten ihr eigenes Geschlecht: Ganze 87 Prozent von ihnen wählten das Geschenk für Jungen.

 

In einem weiteren Test fragten die Forscher 470 Menschen mit und ohne Kinder in einer Onlineumfrage, ob sie eine kleine Geldsumme eher einem Mädchen oder einem Jungen geben würden. Nicht nur Eltern, sondern sogar kinderlose Personen hatten dabei eine klare Meinung: Stets begünstigte die Mehrzahl der Frauen die Töchter und die Mehrheit der Männer die Söhne.

 

«Das könnte daran liegen, dass es uns leichter fällt, sich in Personen des eigenen Geschlechts hineinzuversetzen», sagt Moritz Daum, Entwicklungspsychologe an der Universität Zürich. Die Untersuchung zeige aber möglicherweise nicht die ganze Wahrheit, gibt Daum zu bedenken. Denn in den Experimenten konnten die Mamis und Papis jeweils nur eine einzige Entscheidung treffen. Müssten sie aber mehrmals entscheiden, würden sie wohl auch mal den Sprösslingen des anderen Geschlechts den Vorzug geben. So dürfte sich die Ungleichbehandlung mit der Zeit ausbalancieren, glaubt Daum. Dennoch rät er Eltern, ihr eigenes Verhalten gut im Auge zu behalten: «Väter und Mütter sollten sich bewusst sein, dass sie vielleicht manchmal ungerecht entscheiden, ohne es zu wollen.»

 

Mario Nowak 

 

 


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