Autismus wird bei Kindern oft erst im Kindergarten entdeckt. Mit intelligenten Spielzeugen ginge das schon viel früher.

Spielzeuge mit integrierten Sensoren sollen das Spielverhalten von Kleinkindern erfassen. Supsi

Spielzeuge mit integrierten Sensoren sollen das Spielverhalten von Kleinkindern erfassen. Supsi

Eines von hundert Kindern in der Schweiz leidet gemäss Schätzungen an Autismus. Oft vergehen jedoch Jahre, bis ein Arzt die Entwicklungsstörung erkennt. Insbesondere Kinder mit milden Formen wie dem Asperger-Syndrom erhalten die Diagnose meistens erst im Kindergartenoder Primarschulalter. «So verstreicht wertvolle Zeit ohne Therapie», sagt die Ergotherapeutin Emmanuelle Rossini, die in ihrer Praxis im Tessin autistische Kinder betreut. Sie ist überzeugt, dass eine Diagnose eigentlich schon viel früher möglich wäre: «Schon im Alter von neun Monaten finden sich im Verhalten betroffener Kinder Hinweise auf Autismus.» Beispielsweise führen autistische Kinder im Umgang mit Spielsachen häufig wieder und wieder dieselben Bewegungen aus. Und sie ändern über viele Wochen nichts an diesen immer gleichen Abläufen. Anders normal entwickelte Kinder: Sie gehen vielseitiger mit Gegenständen um und variieren ihr Spiel mit der Zeit immer stärker.

 

Auffällige Muster

Diese Unterschiede in den Bewegungsmustern will die Ergotherapeutin Rossini nutzen, um den Kindern früher helfen zu können. Sie leitet ein Forschungsprojekt, in dem sie spezielle Spielzeuge gemeinsam mit Ingenieuren des Departements für Innovative Technologien (DTI) der Fachhochschule Supsi entwickelt. Die Wissenschaftler packen elektronische Sensoren in Spielzeugautos, Puppen oder Bauklötze, die jede Bewegung beim Spielen aufzeichnen. Eine Software wertet die Daten aus und schlägt bei auffälligen Mustern Alarm.

Mehr soziale Kontakte

Zurzeit testet Rossini die Spielzeuge in der hauseigenen Kinderkrippe der Fachhochschule. Noch geht es nicht darum, eine Diagnose zu stellen, sondern die Mustererkennung weiter zu verfeinern. Dazu braucht es die Bewegungsdaten möglichst vieler Kinder. Voraussichtlich nächstes Jahr soll dann ein Versuch mit Kindern starten, die ein erhöhtes Risiko für Autismus haben, weil eines ihrer älteren Geschwister bereits an der Störung leidet. Stellt sich später heraus, dass ein Kind tatsächlich von Autismus betroffen ist, erkennen die Forscher, welche Bewegungsmuster eine zuverlässige Diagnose ermöglichen.

 

«Ich hoffe, dass unsere Spielzeuge danach in vielen Kinderkrippen eingesetzt werden», sagt Rossini. Denn eine frühe Diagnose sei für die betroffenen Kinder ein Segen. Zwar könne auch eine Therapie die Entwicklungsstörung nicht heilen, sagt die Ergotherapeutin, aber zum Beispiel beim Knüpfen sozialer Kontakte helfen. «Die Kinder bleiben Autisten – allerdings solche mit einer guten Lebensqualität.»

 

Michael Baumann 

 

 


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