Weltweit ist Honig mit den berüchtigten Neonicotinoiden belastet, wie eine neue Studie zeigt. Für Menschen ist das ungefährlich, für Bienen jedoch kritisch.

Eine Biene nascht vom selbst gemachten Honig – doch dieser ist häufig mit Pestiziden belastet.  - René Ruis

Eine Biene nascht vom selbst gemachten Honig – doch dieser ist häufig mit Pestiziden belastet. – René Ruis

Gelangen Pestizide aus der Landwirtschaft auch in den Bienenhonig? Diese Frage haben sich Biologen der Universität Neuenburg gestellt. In einem Citizen-Science-Projekt forderten sie Privatpersonen auf, originalverpackten und noch verschlossenen Honig aus den Ferien mitzubringen. Aus den über dreihundert eingegangen Proben aus aller Welt wählten die Forscher rund zweihundert aus. Dabei achteten sie darauf, dass die Weltregionen gleichmässig vertreten waren und der Honig ein breites Spektrum an Blüten und Landschaften umfasste.

 

Daraufhin analysierten die Forscher deren Gehalt an Neonicotinoiden. Das Resultat: Drei Viertel der untersuchten Honigproben enthielten die für Bienen giftigen Pflanzenschutzmittel, wie das renommierte Fachmagazin «Science» heute Freitag berichtet. «Ich war nicht überrascht, dass so viele Proben kontaminiert waren», sagt Alexandre Aebi, Mitautor der Studie, «denn Neonicotinoide zählen heute zu den am häufigsten eingesetzten Pflanzenschutzmitteln der Welt.»

Empfindliche Bienen

Die gute Nachricht ist, dass die für den menschlichen Verzehr zulässigen Grenzwerte nicht überschritten wurden. «Der Honig kann gefahrlos gegessen werden», sagt Aebi. Doch für die Bienen sieht es anders aus. Sie reagieren weit empfindlicher auf die Wirkstoffe, die entwickelt wurden, um Schadinsekten zu töten. «Bei der Hälfte der untersuchten Proben war die Konzentration der Neonicotinoide so hoch, dass sie bei Bienen Vergiftungssymptome auslösen könnten», sagt Aebi. Dazu gehören unter anderem Wachstumsund Entwicklungsstörungen, eine höhere Sterblichkeit der Königin oder ein geschwächtes Immunsystem.

 

Unter Forschern wird immer noch gestritten, ob das jährlich auftretende Bienensterben den Neonicotinoiden zuzuschreiben ist oder ob dafür vor allem die aus Asien stammende Varroamilbe verantwortlich ist. «Unsere Resultate sind ein weiteres starkes Indiz dafür, dass die Pestizide tatsächlich eine grosse Rolle beim Bienensterben spielen», sagt Aebi. Auch der Bienenforscher Tjeerd Blacquiere von der Universität Wageningen in den Niederlanden beurteilt die Resultate der Studie als kritisch: «Wenn eine Bienenkolonie mit solchem Honig über den Winter kommen muss, stehen ihre Überlebenschancen schlecht.»

 

scitec 

 

 


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