Moderne Benzinmotoren stossen riesige Mengen krebserregender Substanzen aus, zeigen Schweizer Forscher. Das liesse sich eigentlich verhindern, würde man die Autohersteller nur dazu zwingen.

A traffic jam scene in a highway

Benzinautos stossen mehr krebserregende Schadstoffe aus, als bisher vermutet.
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Vor zwei Jahren rüttelte der VW-Abgasskandal gehörig am Image von Dieselautos. Nun stellt sich heraus, dass moderne Benzinautos die weitaus grösseren Abgassünder sind – zumindest was den Gehalt an bestimmten krebserregenden Substanzen angeht. Zu diesem Schluss kamen Wissenschafter der Forschungsanstalt Empa und des Paul Scherrer Instituts (PSI) in zwei unabhängigen Untersuchungen.

Krebserregende Schadstoffe

Die Empa-Forscher prüften in standardisierten Testfahrten sieben weitverbreitete Modelle mit Benzin-Direkteinspritzung. «Diese leistungsfähigen Benziner werden immer populärer», sagt der Chemiker Norbert Heeb, der die Empa-Studie geleitet hat. Voraussichtlich fahren bis ins Jahr 2020 europaweit rund 50 Millionen solche Autos auf den Strassen.

 

Umso alarmierender ist das Resultat der Abgasuntersuchungen: Zwar stossen die modernen Benziner weniger giftige Stickoxide aus als Dieselautos – jedoch zehn- bis 100-mal mehr feine Russpartikel. Eines der Modelle, ein Mitsubishi, setzte sogar 150-mal mehr Russ frei.

 

Giftig sind die Russpartikel vor allem, weil an ihnen krebserregende Substanzen haften, die bei der Verbrennung des Treibstoffs entstehen. Diese gelangen mit dem Atem in die Lunge. Beispielsweise das Benzoapyren: Bei drei der Testwagen lag derAnteil an Benzoapyren mehr als 1000-fach über dem EU-Grenzwert für saubere Luft. «Anders gesagt, ein Kubikmeter Abgas macht aus über 1000 Kubikmetern sauberer Luft eine krebserregende Mischung», erklärt Heeb.

Mehr Giftpartikel im Winter

Eine weitere schlechte Nachricht förderte die Analyse der PSI-Forscher zutage. Sie untersuchten neben den direkten Abgasen auch deren weiteren Einfluss auf die Atmosphäre. Denn giftige Partikel entstehen nicht nur direkt bei der Verbrennung, sondern auch später, wenn bestimmte gasförmige Schadstoffe mit Substanzen aus der Luft reagieren. «Eigentlich sollte der Katalysator die Freisetzung dieser gasförmigen Stoffe verhindern», sagt André Prévôt, Leiter der Untersuchung am PSI. Doch bevor dieser seine Betriebstemperatur erreicht hat, entschlüpft eine riesige Menge der gefährlichen Gase, zeigten nun die Messungen. Besonders hoch ist der Schadstoffausstoss deshalb zu Beginn einer Fahrt und bei Minustemperaturen im Winter. «Das liesse sich leicht verhindern, indem man den Katalysator vorheizt», empfiehlt Prévôt. Er und der Empa-Forscher Norbert Heeb fordern zudem, dass Autohersteller auch bei BenzinDirekteinspritzern künftig Partikelfilter einbauen – wie das bei Dieselautos seit über 15 Jahren Standard ist.

 

Santina Russo 

 

 


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