Vor 48 Jahren landete zum ersten Mal ein Mensch auf dem Mond. Bald soll der nächste grosse Sprung folgen: eine bemannte Mission zum Mars. Bis es so weit ist, braucht es jedoch noch einiges.

Mars

Bald schon die Heimat vieler Menschen? In wenigen Jahren sollen erste bemannte Marsmissionen starten.
Nasa

Irgendwann werden auf der Erde keine Menschen mehr leben. Das sagt zumindest die Statistik, denn in der Geschichte unseres Planeten gab es immer wieder natürliche Katastrophen, die bis zu 96 Prozent aller Tierarten ausrotteten. So raffte beispielsweise vor 65 Millionen Jahren ein gewaltiger Asteroideneinschlag die Dinosaurier dahin. Bis sich ein solches Ereignis wiederholt, ist es nur eine Frage der Zeit. Nicht zuletzt könnte sich die Menschheit auch selbst von der Erde tilgen, sei es durch Umweltverschmutzung oder einen Nuklearkrieg. Wenn der Mensch als Spezies nicht aussterben will – so findet zum Beispiel Elon Musk, Gründer des privaten Raumfahrtunternehmens Space X –, müssen wir andere Planeten besiedeln. In rund 60 Jahren will er eine Million Menschen auf dem Mars angesiedelt haben, um unsere Weiterexistenz zu sichern.

Nach dem Mond ist der Mars die nächste Haltestelle

 

«Den ersten Schritt dazu hat der Mensch schon lange gemacht», sagt Martin Dziura, Ingenieur am Institut für Luft- und Raumfahrt an der Technischen Universität München. «Seit 17 Jahren ist die Internationale Raumstation ISS permanent bewohnt.» Die logische Weiterentwicklung ist für ihn die Besiedelung eines fremden Planeten. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass jemals ein Mensch den Mars erkunden wird?

 

Die Technologien für Flug und Landung sind heute schon vorhanden, unbemannte Marsmissionen finden seit Jahren statt. Schon 2012 landete der Marsroboter Curiosity auf dem Roten Planeten. Seither untersucht er Oberfläche und Atmosphäre des Planeten. Bis dort aber auch Menschen stehen, wird es noch dauern. Zwar wäre es theoretisch bereits heute möglich, Astronauten zum Mars zu fliegen. Doch: «Sie hätten zu geringe Überlebenschancen», sagt Martin Dziura. Das Problem ist der Transport des Gepäcks. Denn bereits für eine erste Erkundungsmission müsste eine enorme Menge an Material mitgenommen werden, um die Astronauten am Leben zu halten: Nahrung, Medizin, Bauteile für eine Unterkunft und natürlich genug Treibstoff für den langen Rückflug. So viel Material zum Mars zu fliegen, ist laut dem Raumfahrtingenieur heute noch nicht möglich. Doch Dziura ist optimistisch, denn die Technik entwickelt sich rasant weiter: «Ich vermute, dass wir in rund 15 Jahren so weit sind, Menschen auf den Mars zu schicken.»

 

Space

Heutige Raketen wie diese von Space X bringen ihre Fracht nicht weiter als bis in den Orbit der Erde.
Space X

Das All verändert den menschlichen Körper

Die Marsastronauten werden aber nicht nur mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sondern auch mit gesundheitlichen. In der Schwerelosigkeit schwinden Muskel- und Knochengewebe – das ist bekannt seit den ersten bemannten Weltallmissionen. Darum müssen Astronauten auf der ISS regelmässig Krafttraining absolvieren. Trotzdem lässt sich der Abbau nicht ganz vermeiden: Nach sechs Monaten im All sind die Astronauten noch für einige Wochen wackelig auf den Beinen. Bei einer Marsmission würde allein der Hinflug sechs bis acht Monate dauern (siehe Ende des Artikels).

 

Ein viel grösseres Problem aber sieht Oliver Ullrich, Weltraummediziner an der Universität Zürich, in der enormen Strahlenbelastung, der die Astronauten im Weltall ausgesetzt sind. Die Folgen sind ein erhöhtes Krebsrisiko oder im schlimmsten Fall nach wenigen Tagen der Tod. Auf der ISS ist diese Gefahr noch nicht sehr gross, weil die Raumstation durch das Magnetfeld der Erde einigermassen gegen die Strahlung abgeschirmt ist. Auf dem Weg zum Mars wären die Astronauten der kosmischen Strahlung aber schutzlos ausgeliefert. Darum forscht unter anderem die Nasa an Materialien, welche Mensch und Geräte schützen sollen.

 

Nicht zu unterschätzen ist auch die psychologische Belastung von langen Weltraummissionen. Darum legt man schon bei der Auswahl der künftigen Astronauten grossen Wert auf deren Persönlichkeit. «Das müssen exzellent ausgebildete, leistungsstarke, aber auch offene und sympathische Teamworker sein», sagt Ullrich. «Niemand möchte mit einem humorlosen Nörgler zum Mars fliegen.»

Entscheidend ist der politische Wille

Ob wir tatsächlich eines Tages auf dem Roten Planeten landen, hängt aber nicht nur von Wissenschaft und Technik ab, sondern auch stark vom politischen Willen. Wie viel sind wir bereit, in die Weltraumforschung zu investieren? Er höre immer wieder Kritik von Politikern, sagt Ullrich. Zuerst müssten die vielen Probleme auf der Erde gelöst werden, bevor man Geld in die Erkundung fremder Planeten stecke, heisst es etwa. Der Zürcher Weltraummediziner sieht es anders: Der Verzicht auf die Raumfahrt löse nicht die Probleme auf der Erde. Nicht zum Mars zu fliegen, würde aber die Menschheit einer grossen Chance berauben. «Wir sind dafür gemacht, zu forschen und zu entdecken. Forschung und Wissen bringen am Ende alle Menschen weiter.» Wie damals die Landung auf dem Mond wird auch die Erkundung des Mars als Leistung der ganzen Menschheit wahrgenommen werden, prophezeit Ullrich: «Wenn der erste Mensch seinen Fuss auf den roten, staubigen Boden des Planeten Mars setzen wird, werden die Gedanken von Milliarden Menschen auf der Erde mit dabei sein.»


Wie lange dauert ein Flug zum Mars?

Eine Rakete mit der heutigen Technik wäre sechs bis acht Monate unterwegs. Dies aber nur, wenn sie im optimalen Moment startet. Die Erde und der Mars kreisen beide um die Sonne, allerdings ist die Umlaufbahn des Mars deutlich länger als jene der Erde: Während es unser Heimatplanet in 365 Tagen um die Sonne schafft, braucht der Mars dafür 687 Tage. Deshalb verändert sich der Abstand zwischen den beiden Planeten ständig. Er variiert zwischen 56 Millionen und 401 Millionen Kilometern. Wer also einen Flug zum Mars wagen will, muss ein geeignetes Zeitfenster abwarten, um die Reisezeit so kurz wie möglich zu halten. Eine solche Gelegenheit bietet sich etwa alle 26 Monate, das nächste Mal im Juli 2018.
 


 

Anna Herbst

 

 


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