Hunde können riechen, ob ein Mensch Krebs hat. Diese Fähigkeit wollen Forscher imitieren und in Zukunft damit Leben retten.

Hund

Er ist der Medizin eine Nasenlänge voraus: Der Krebs-Spürhund Lotta schnuppert an einer Atemprobe.
Heidrun Seibert Stiftung

Am Anfang war es nur ein Gerücht: Ein Hund habe 1989 bei einer Engländerin mehrmals versucht, ein Muttermal auf ihrem Oberschenkel abzubeissen. Dieses habe sich im Nachhinein als bösartiges Melanom herausgestellt. Dass Hunde Krebs bemerken können, sei tatsächlich möglich, sagt der deutsche Arzt Thorsten Walles. Er hat vor einigen Jahren in einem Experiment mit vier Hunden gezeigt, dass die Tiere im Atem von Menschen Lungenkrebs erschnüffeln können. Inzwischen haben mehrere Studien belegt: Auch Darm-, Prostata-, und Brustkrebs riechen die Vierbeiner. «Diese Fähigkeit kann für die Früherkennung nützlich sein», sagt Walles, denn die Hunde bemerken die Erkrankung sogar, bevor sie sich mit herkömmlichen Methoden finden lässt.

 

Doch hundertprozentig zuverlässig sind die Tiere nicht. «Sie haben auch mal einen schlechten Tag und lassen sich schnell ablenken», sagt Walles. Deshalb arbeiten Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum daran, die Fähigkeit der Hunde zu imitieren. Ziel ist, ein Gerät zu entwickeln, das, ähnlich wie die Hundenase, die Duftstoffe im Atem erkennen und deuten soll. Doch zuerst müssen die Forscher herausfinden, welche der Tausenden von Substanzen im Atem die Krebs-Spürhunde genau riechen. Dazu teilen die Wissenschaftler die Geruchsmoleküle in der Atemluft von Krebskranken in einzelne Portionen auf. Diese geben sie Spürhunden zu schnuppern. Die Vierbeiner entscheiden, ob der Duft nach Krebs riecht. Auf diese Weise identifizieren die Forscher nach und nach die krebstypischen Moleküle. So schaffen sie die Voraussetzung für die Entwicklung eines Analysegeräts, das dereinst die Hundenase ersetzen soll.

 

Sheila Eggmann

 

 


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