Obwohl es immer sparsamere Technologien gibt, steigt der Energieverbrauch in der Schweiz weiter an. Schuld daran ist unser Verhalten.

Hell: Weihnachtsdekos wie diese fressen eine Menge Strom. iStock

Trotz stromsparender LED-Lampen, dick isolierter Häuser und energieeffizienter Haushaltsgeräte sinkt der Energieverbrauch in der Schweiz nicht. Im Gegenteil: Während die Bevölkerung seit dem Jahr 1988 um 23 Prozent zunahm, wuchs der Stromverbrauch der Haushalte im selben Zeitraum mit 48 Prozent fast um das Doppelte.

 

Mitverantwortlich dafür ist der sogenannte Rebound-Effekt. Dieser besagt, dass höhere Effizienz von Technologien oft zu mehr anstatt zu weniger Verbrauch führt. So lässt etwa jemand, der eine LED-Weihnachtsbeleuchtung an seinem Haus installiert hat, diese die ganze Nacht über brennen, weil sie ja so stromsparend ist.

 

«Der Rebound-Effekt frisst bei der Elektrizität und beim Benzinverbrauch beinahe alles wieder weg, was die Technologie verbessert», sagt der Mathematiker Vincent Moreau vom Energy Center der ETH Lausanne. Doch weshalb verhalten sich Menschen so, wenn sie es doch eigentlich besser wissen sollten?

 

«Wir denken, dass wir uns mit sparsamen Geräten die moralische Berechtigung erkaufen, anschliessend weniger energiebewusst zu sein», sagt die Psychologin Bernadette Sütterlin von der ETH Zürich. Denn sobald Menschen das Gefühl haben, mit einem energieeffizienten Kühlschrank oder einer LED-Lampe eine gute Tat begangen zu haben, neigen sie dazu, anderswo verschwenderisch zu sein. So zeigte eine frühere Studie, dass Konsumenten, als sie dazu angehalten wurden, Wasser zu sparen, dafür umso mehr Strom verbrauchten.

Finanzielle oder psychologische Anreize

Wie sich dieser Rebound-Effekt verhindern liesse, untersucht Energieforscher Moreau. «Energie ist heute einfach zu günstig», sagt er und schlägt als Lösung finanzielle Anreize vor. «Der Strompreis sollte vom Verbrauch abhängig sein.» Künftig bliebe die Menge an Energie günstig, die den normalen Verbrauch eines Haushaltes deckt. Alles, was darüber hinaus geht, wäre aber viel teurer.

 

Nicht ganz einverstanden mit diesem Vorschlag ist die Psychologin Sütterlin: «Eine andere Möglichkeit wäre, die Motivation der Menschen zu verändern, anstatt sie finanziell zu bestrafen.» So sollten energieeffiziente Geräte nicht mit dem Argument verkauft werden, Strom und damit Geld zu sparen. Besser würde man den Kunden darauf aufmerksam machen, dass er sich mit dem Kauf besonders umweltbewusst zeigt. So wird mit der Zeit seine Haltung tatsächlich immer umweltbewusster, glaubt Sütterlin. Ob finanzielle oder psychologische Anreize langfristig funktionieren, muss sich noch zeigen.

 

Michael Baumann

 

 


Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar