Die Tierärzte des Zoos Basel betreuen über hundert Wildtierarten. Dabei erleben sie so manches Abenteuer.

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Junglöwe Kali wird narkotisiert zum OP-Tisch getragen.
Bild: Zoo Basel

Wie heilt man den grauen Star bei einem Hornraben oder bringt ein Okapi dazu, ein Medikament zu schlucken? Und weshalb braucht es 30 Leute, um einen Elefanten zu operieren? Die Antworten auf diese und weitere Fragen geben die zwei Tierärzte des Basler Zoos im neuen Buch «Das Okapi hat Husten». In 50 Geschichten erzählen sie von ihrem ungewöhnlichen Berufsalltag: wie sie die Wildtiere untersuchen, deren Krankheiten behandeln, bei Geburten helfen oder verunfallte Tiere aus misslichen Lagen befreien. Dabei kann es auch mal brenzlig werden, zum Beispiel, wenn der Löwe mit dem faulen Zahn während der Wurzelbehandlung plötzlich aus der Narkose erwacht.

 

Bei ihrer Arbeit müssen die Tierärzte nicht nur häufig improvisieren, sondern auch vieles neu erfinden, was bei der Behandlung von Menschen selbstverständlich ist, etwa um die tierischen Patienten während einer Narkose zu beatmen. So passt eine konventionelle Atemmaske zwar einem Affen, aber für einen Elefanten braucht es einen Wetterballon. Und einem Tukan stülpen die Zooärzte eine aufgeschnittene PET-Flasche über den langen Schnabel.

Zoo Basel

Okapi-Bulle Stomp hat Husten – Tierarzt Stefan Hoby hilft.
Bild: Zoo Basel

Ein Highlight des Buches sind die vielen Fotos, die die Behandlungen dokumentieren. Vor allem die Bilder der frisch geborenen Jungtiere – vom Gepard bis zum Stachelschwein – garantieren den Jöö-Effekt.

«Manchmal brauchen wir die Hilfe der Feuerwehr»

Stefan Hoby, bei Ihrer Arbeit erleben Sie manchmal gefährliche Situationen. Wurden Sie schon einmal verletzt?

Neben kleineren Bisswunden zum Glück nicht. Aber mein Kollege Christian Wenker bekam von einem Stachelschwein einmal über hundert Stacheln ab, weil es sich bedroht fühlte.

Passieren solche Unfälle häufig?

Nein, wir können mögliche Gefahren in der Regel gut einschätzen und sind vorsichtig. Allerdings weiss man über viele Wildtiere medizinisch noch nicht alles. Das war auch der Grund für den Unfall mit dem Stachelschwein. Das Weibchen war schwanger und erwachte früher als geplant aus einer Betäubung. Damals war zwar bekannt, dass bei trächtigen Tieren mehr Narkosemittel nötig ist, aber nicht, wie viel mehr. Nun wissen wir es besser. Unsere Erfahrung haben wir auch an Kollegen in anderen europäischen Zoos weitergegeben.

Dann tauschen sich Zoo-Tier­ärzte untereinander aus?

Ja, wir haben regelmässige Treffen und geben einander Tipps für die Behandlung. Ausserdem helfen wir uns gegenseitig bei Bedarf. So waren zehn Tierärzte aus anderen Zoos mit dabei, als wir den vereiterten Stosszahn unseres Elefantenbullen entfernen mussten. Bei solchen Grossoperationen sind wir zudem auf Hilfe von Feuerwehrleuten angewiesen – schon nur, um den vor der Operation einschlafenden Elefanten mit Netz und Kran sanft auf die Seite zu legen.

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Das Gepardenjunge lässt seine erste Untersuchung über sich ergehen.
Bild: Zoo Basel

«Wissen in 20 Minuten» verlost fünf Exemplare des Buches. Wer hinter die Kulissen des Basler Zoos blicken und mehr über den ungewöhnlichen Alltag von Zootierärzten erfahren möchte, sendet ein E-Mail mit Name, Adresse und dem Betreff OKAPI an win@scitec-media.ch. Einsendeschluss ist Dienstag, 22. November.

 

Santina Russo 

 

 


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