Eine neue Untersuchung zeichnet nach, woher die Hauskatze kommt und wie sie sich auf der ganzen Welt verbreitet hat – unter anderem als Passagier auf Wikingerschiffen.

European cat on a white background

😻 Miau!  Bild: ISTOCK

Ursprünglich stammen unsere heutigen Hauskatzen von afrikanischen Wildkatzen ab, die in Afrika und im Nahen Osten heimisch sind. So viel zeigte vor einigen Jahren ein Genvergleich zwischen Hauskatzen und verschiedenen lebenden Wildkatzenarten. Aber wann wandelte sich die Wildkatze zum zahmen Stubentiger und wie gelangte sie nach Europa und in den Rest der Welt?

 

Diese Frage will die Evolutionsgenetikerin Eva-Maria Geigl von der Universität Paris-Diderot beantworten. Dazu hat sie Überreste von mehr als 200 Katzen untersucht, die 300 bis 15000 Jahre alt waren. Diese stammen von archäologischen Funden wie Knochenresten oder Mumien aus Europa, Asien und Afrika. Geigl und ihr Team verglichen DNA-Proben miteinander und konnten so rekonstruieren, wie sich die Hauskatzen ausgebreitet haben.

 

Ihren Anfang nahm die Domestizierung demnach vor etwa 10000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Länder Irak, Syrien und Libanon, als sich Menschen dort zum ersten Mal als Bauern niederliessen. «Die Höfe mit ihren Getreidevorräten zogen Mäuse und Ratten an und diese wiederum Wildkatzen», sagt Geigl. Inwiefern die Katzen damals schon zahm waren, weiss man nicht. «Am Anfang war es wohl eine Art Zweckgemeinschaft», so Geigl. Die Katzen fanden reichlich Beute und die Menschen waren froh um die Jäger, welche die lästigen Nager in Schach hielten. Im Schlepptau der Bauern eroberten die Katzen so zuerst den östlichen Mittelmeerraum.

Rattenjäger auf Schiffen

Eine zweite Ausbreitungswelle gab es dann offenbar erst einige Tausend Jahre später. Wohl vor etwa 4000 Jahren begannen die Ägypter, sie als Haustiere zu halten. Bald danach tauchten Katzen mit verwandter DNA auch in Bulgarien, der Türkei und Teilen Afrikas auf. «Vermutlich haben Seefahrer die Tiere auf Handelsschiffen mitgenommen, wo sie auch als nützliche Rattenjäger dienten», sagt Geigl. Auf dem Seeweg kamen die Samtpfoten schlussendlich auch nach Nord- und Mitteleuropa, unter anderem auf Wikingerschiffen. Das belegen Katzen-Überreste aus einem etwa 1000 Jahre alten Wikingerdorf in Norddeutschland.

Egyptian mummified cat. Animals were mummified in Ancient Egypt for thousands of years, either to allow a favoured pet to follow its owner into the afterlife, or as an act of worship to a god with an animal cult. Cat mummy offerings would have been intended for the goddess Bastet (also known as Bast). Mummification involved removing the internal organs, drying out the body, embalming, and wrapping in layers of linen. This specimen is part of a collection held at the Natural History Museum, London, UK.

Katzenmumien helfen dabei, die Herkunft der Samtpfoten zu enträtseln.
Bild: Science Photo Library

Weil sie so anpassungsfähig sind, verbreiteten sich die Büsis überall auf der ganzen Welt – heute leben sie sogar als ungezähmte Streuner in indischen Grossstädten oder als Aasfresser auf unwirtlichen Inseln nahe der Antarktis.

 

Dokumentation «Sanfte Räuber – Wie Katzen die Welt eroberten»

 

Santina Russo 

 

 


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