Sieht ein Auto furchteinflössend aus, überqueren wir die Strasse schneller. Das kann darüber entscheiden, ob wir es unversehrt hinüberschaffen.

IPV Portugal 03_2015

Grrrrr: Je böser ein Auto aussieht, desto sicherer ist es für Fussgänger. BMW Group

Autos haben Gesichter: Die Scheinwerfer sind Augen, der Kühlergrill eine Nase, die Lufteinlässe darunter ein Mund. Manche Autos erinnern an niedliche Babygesichter, andere an die Fratzen von Raubtieren. «Bei der Sicherheit im Strassenverkehr spielen die Designs der Autos eine Rolle», sagt der Psychologe Janek Lobmaier von der Uni Bern. In einem Virtual-Reality-Experiment haben er und sein Team gemessen, wie rasch jemand den Zebrastreifen überquert, wenn verschiedene Autos auf ihn zufahren. Die Forscher haben dazu acht Automodelle ausgewählt, die typische Merkmale böser oder netter Gesichter zeigen (siehe Bilder). Insgesamt 60 Probanden haben im Versuch den virtuellen Fussgängerstreifen überquert.

 

Das Resultat: Naht ein böse aussehendes Auto, beginnen die Probanden früher mit der Überquerung der Strasse. Zwar beträgt der Unterschied nur ein paar Zehntelssekunden. Dennoch: «Im richtigen Strassenverkehr kann das darüber entscheiden, ob man unversehrt auf der anderen Seite ankommt», sagt Lobmaier.

 

Der Grund für dieses Verhalten liege in der Art, wie Menschen Dinge wahrnehmen, so der Psychologe. Denn wenn wir ein Auto sehen, sind in unserem Gehirn dieselben Areale aktiv, mit denen wir sonst Gesichter erkennen. Das zeigten bereits frühere Untersuchungen. Daher empfinden Menschen etwa die schmalen Scheinwerfer und den Kühlergrill eines Alfa Romeo als aggressiv. Die runden Lichter eines VW New Beetle hingegen wirken herzig und harmlos. Diese Emotionen können unser Verhalten beeinflussen, sagt Lobmaier. «Genau wie bei bösen Gesichtern packt uns auch bei grimmig aussehenden Autos instinktiv ein Fluchtreflex».

 

A_Autos_DEF

Bilder aus dem Experiment: Als böse Autos fuhren ein Alfa Romeo und ein BMW auf die Probanden zu, als nette Autos kamen ein Toyota und ein VW zum Einsatz Uni Bern

 

Michael Baumann

 

 


Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar