KASTANIENBAUM. Aus Schweizer Kläranlagen entweichen antibiotikaresistente Keime. Nun suchen Forscher einen Weg, das zu verhindern.

Im Klärschlamm rüsten Bakterien ihre Abwehrkräfte auf. FOTOLIA

Rund 750 Kläranlagen reinigen das Abwasser in der Schweiz. Eigentlich sollten sie dreckiges Wasser wieder in sauberes verwandeln. Doch: «In den Kläranlagen gedeihen auch Bakterien mit neuen Antibiotika-Resistenzen», sagt der Umweltbiologe Helmut Bürgmann von der Wasserforschungsanstalt Eawag. Denn in den Klärbecken geben viele Keime ihr Erbmaterial an andere weiter – darunter auch solches, das sie resistent gegen Antibiotika macht. Problematisch ist, dass die Bakterien immer wieder aus den Anlagen entweichen. Das hat Umweltbiologe Bürgmann in einer Studie gezeigt.

 

Er fand resistente Bakterien in verschiedenen Schweizer Flüssen und Seen – und zwar dort, wo das Wasser aus Kläranlagen hineinfliesst. «Beim Baden könnten Menschen die Keime aufnehmen und damit Resistenzen in der Bevölkerung weiterverbreiten», sagt Bürgmann.

 

So weit will es die Mikrobiologin Antonella Demarta von der Tessiner Fachhochschule SUPSI nicht kommen lassen. Zwar könne man nichts dagegen unternehmen, dass Bakterien in den Klärbecken Erbmaterial austauschten. «Doch dürfen die Bakterien auf keinen Fall aus den Anlagen entweichen», warnt die Mikrobiologin. Dass das machbar ist, hat sie in einem Laborversuch gezeigt: Sie mischte Partikel aus Aktivkohle unter den Klärschlamm und liess diese durch einen Strom winziger Luftblasen an die Oberfläche steigen. Dort schöpften die Forscher die Partikel ab und untersuchten sie: Beinahe hundert Prozent aller Bakterien blieben daran haften. Als Nächstes will die Mikrobiologin testen, ob sie die Aktivkohle mehrfach verwenden kann, um Kosten zu sparen. «Wenn das klappt, wäre für resistente Bakterien in Kläranlagen ab sofort Endstation.»

 

LInk zur Studie (Englisch)
Weitere Informationen zu Antibiotikaresistenz im Abwasser

 

Michael Baumann 

 

 


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