ZÜRICH. Um jemanden zu überwachen, braucht es nicht unbedingt einen Geheimdienst. Schon wenige Daten aus dem Alltag reichen dazu aus.

Unter Beobachtung: Wir hinterlassen an vielen Orten verräterische Spuren. Fotolia

Unter Beobachtung: Wir hinterlassen an vielen Orten verräterische Spuren. Fotolia

In immer mehr alltäglichen Dingen wie Autos und Smartphones stecken Computer. Wenn Menschen diese benutzen, erzeugen sie eine Menge Daten. Diese Datenspur ist oft so charakteristisch, dass man jemanden damit eindeutig identifizieren kann. «Zwar ist ein solch digitaler Fingerabdruck nicht so unverwechselbar wie ein echter», sagt Marc Ruef, Sicherheitsexperte bei der Schweizer IT-Firma Scip AG. Trotzdem lasse sich damit schon sehr viel über jemanden herausfinden. So hat Ruef etwa einen Erpresser lediglich daran identifiziert, wie häufig er verschiedene Wörter in Drohbriefen benutzt hat.

Klicken und tippen

Die Bewegungen mit der Maus sind für jeden Menschen individuell. Fotolia

Im Internet anonym zu bleiben, ist vielen Menschen wichtig. Doch nicht einmal spezielle Browser, die anonymes Surfen im Web versprechen, bieten kompletten Schutz. Das zeigt eine vom US-Militär finanzierte Studie der Iowa State University: Den Forschern gelang es, über 2000 Probanden ausschliesslich dadurch zu identifizieren, wie sie den Mauszeiger auf einer Website bewegten. Ebenso verräterisch war der Rhythmus beim Tippen, denn die kleinen Pausen zwischen Buchstaben bilden ein für jeden Menschen typisches Muster. Neben neuen Möglichkeiten zur Überwachung durch Geheimdienste könnte das Ergebnis gemäss den Forschern auch dazu eingesetzt werden, einen Computer zu sperren, sobald er von einem unerwünschten Gast bedient wird.

Unbekannte Gesichter

Niemand ist wirklich anonym unterwegs. Fotolia

Sind wir in der Stadt unterwegs, sehen wir lauter fremde Gesichter. Um den Namen eines Unbekannten herauszufinden, braucht es allerdings bloss ein paar Klicks. Das zeigte kürzlich der russische Fotograf Jegor Zwetkow. Er fotografierte Passagiere in der Metro von Sankt Petersburg und lud die Bilder danach in eine Gesichtserkennungs-Software. Diese suchte in Profilbildern der russischen Variante von Facebook namens Vkontakte nach Übereinstimmungen – und wurde in über 70 Prozent der Fälle fündig.

Eigener Fahrstil

Mit dem Laptop analysierten Forscher das Fahrverhalten. Fotolia

Wer hat das Auto gelenkt, als der Unfall passierte? Diese Frage interessiert nicht nur die Polizei, sondern auch Autoversicherungen. Sie zu beantworten, ist nicht schwierig, wie Forscher der Uni San Diego zeigten. Sie zapften mit einem Laptop den Bordcomputer von Autos an und analysierten, wie 15 verschiedene Fahrer bremsten, steuerten und Gas gaben. Dabei fanden sie heraus, dass der Fahrstil jedes Menschen höchst individuell ist. So konnten sie allein anhand der Bremsdaten nach einer Viertelstunde mit über 90-prozentiger Sicherheit sagen, welche Person den Wagen steuerte.

Passwort adé

Künftig ohne Passwort ins Mobile Banking einloggen? Fotolia 

Viele Menschen wählen für ihre elektronischen Geräte bequeme, aber höchst unsichere Passwörter, etwa einfach «1234». Dieses Problem wollen Google-Entwickler lösen – und zwar, indem sie Passwörter gänzlich abschaffen. So sollen Smartphones künftig mit ihren Sensoren analysieren, wie wir auf dem Bildschirm tippen und wischen. Aber auch, wie wir gehen, welche Apps wir regelmässig benutzen und wie unsere Stimme klingt. An der Kombination dieser Muster erkennt das Smartphone einen Menschen eindeutig und kann ihm beispielsweise Zugriff auf eine E-Banking-App erlauben – ganz ohne Passwort. Zurzeit wird das System von mehreren Banken getestet und soll noch dieses Jahr bei Android-Smartphones zum Einsatz kommen.

 

 

Michael Baumann 

 

 


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