Menschnachmas

Manipulation einer Eizelle.

Nun ist es doch früher geschehen, als alle angenommen – oder befürchtet – haben. Noch im Juni dieses Jahres, vor der Abstimmung über die Präimplantationsdiagnostik, beteuerten Forschende und Ärzteschaft, die Gentechnik diene lediglich dazu, Krankheiten zu diagnostizieren, zu verhindern oder zu heilen. Es gehe nicht um die Veränderung des Menschen. Doch nun meldet letzte Woche die Zeitschrift «Nature», eine englische Forscherin habe den Antrag gestellt, gentechnische Eingriffe an menschlichen Embryonen vorzunehmen. Zwar will Kathy Niakan nicht lebensfähige Embryonen erzeugen, sondern die menschliche Entwicklung studieren. Aber Tatsache ist, die gentechnische Veränderung des Menschen wird Realität.

 

Dringende Diskussion

 

Noch glaube ich an die hehren Absichten der Forscherin. Und ich vertraue auch in die britischen Behörden, dass sie den Antrag gründlich prüfen werden. Doch die Methode, die zur Anwendung kommen soll, das so genannte Crispr-Verfahren, ist derart mächtig und präzis, dass früher oder später jemand damit lebensfähige, genetisch veränderte Menschen erzeugen will. Wozu? Zur Eliminierung schwerer Gendefekte oder zur Schaffung des Menschen nach Mass?

 

Das Gesuch der Kathy Niakan zeigt nicht, wie verdorben Wissenschaftler sind, sondern wie dringend die Diskussion über Ziele und Grenzen der Gentechnik ist. Damit meine ich eine Diskussion, die auf evidenten Fakten beruht, auf der Abwägung von Vor- und Nachteilen. Und nicht wie die eben geführte Abstimmungsdebatte auf plumpen Behauptungen und diffusen Ängsten. Am allerwenigsten gilt dabei das Argument, der Mensch dürfe nicht «Gott spielen».

 

Denn erstens hat nicht ein Gott die Natur und den Menschen, wie sie heute sind, erschaffen. Zweitens sind beide einer dauernden Veränderung unterworfen. Und drittens – dies für den Fall, dass tatsächlich ein Schöpfer hinter dem grossartigen Werk des Lebens stehen sollte, wäre auch er es gewesen, der den Menschen befähigt hätte, so mächtige Methoden wie Crispr zu erfinden. Und dann hätte er auch gewollt, dass wir über deren Einsatz diskutieren.

 

Wichtig an der jetzt dringend zu führenden Debatte ist auch, dass wir uns bewusst sind: Kein Gesetz ist in Stein gemeisselt. Gesetze – wie Moral und Ethik auch – gelten immer nur für die Zeit, in der sie verhandelt worden sind. Wäre dem nicht so, würden wir noch heute Diebe auf dem Dorfplatz in Wagenräder flechten. Oder die Frauen hätten in der Schweiz noch immer kein Stimmrecht.

 

Beat Glogger 

 

 


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