Livio Baselgia, 24, studiert an der ETH Zürich Biologie im 4. Jahr. er erzählt, was man von einem Biologiestudium erwarten darf, warum man sich kein Studium aufschwatzen lassen sollte und was er neben Pokern in seiner Freizeit sonst noch treibt.

 

Wie sieht das Biologiestudium an der ETH aus?

Baselgia

Zunächst gibt es zwei Jahre Grundstudium mit Vorlesungen in Chemie, Mathematik und Biologie. Es gibt einige Praktika, etwa in organischer Chemie, die den Betrieb auflockern. Spannend im ersten Jahr fand ich die botanischen Exkursionen ins Wallis mit unserem Botanikprofessor und seinen Assistenten. Auf mehreren Wanderungen haben wir die alpine Flora untersucht und dabei die Mitstudierenden besser kennengelernt. Interessant fand ich auch die Ergänzungsvorlesungen im Bereich Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaft, etwa eine Vorlesung zu «Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.»

Wie sieht das zweite Jahr Grundstudium aus?

Auch im zweiten Jahr gibt es Chemie, neu kommt Physik hinzu sowie physikalische Chemie. In gewissen Fächern, etwa Mathematik oder physikalischer Chemie, musste ich mich ziemlich reinknien, aber solche Fächer gehören zur Ausbildung eines Biologen. Im zweiten Jahr wird es für die Biologen spannender, es gibt Kurse in Zellbiologie, Populations- und Evolutionsbiologie, Neurobiologie oder Ökologie. Am Ende des ersten und des zweiten Jahres stehen umfangreiche Prüfungen auf dem Programm.

Und nach dem Grundstudium steht die Biologie immer mehr im Zentrum?

Je länger das Studium dauert, umso interessanter wird es, denn ab dem dritten Jahr konnte ich meine Kurse zu einem guten Teil selbst aussuchen. Nun gibt es montags und dienstags am Vormittag Vorlesungen, der Rest der Zeit ist mit mehrwöchigen Blockkursen belegt. Ich habe zum Beispiel Kurse in Mykologie, Lebensmittelmikrobiologie und Immunologie besucht. Möglich sind aber sogar Blockkurse in Humanmedizin, weil die Blockkurse zum Teil gemeinsam mit der Universität Zürich angeboten werden.

Und nach dem dritten Jahr, dem Bachelor?

Es gibt einige, die nach dem Bachelor eine Auszeit nehmen. Das ist zu jenem Zeitpunkt gut möglich. Ich habe mich allerdings dazu entschieden, das Studium am Stück durchzuziehen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Reisen kann ich auch noch nach dem Studium, zum Beispiel eine Doktorarbeit im Ausland machen.

Was passiert im vierten und im fünften Jahr, im Masterstudium?

Im vierten Jahr schreiben die Studenten zwei Semesterarbeiten. Diese Arbeiten basieren auf der Mitarbeit in einer Forschungsgruppe. Daneben gibt es verschiedene Vorlesungen, die man relativ frei auswählen kann. Ich habe mich auf die Lebensmittelbiotechnologie konzentriert. Im fünften Jahr steht vor allem die sechsmonatige Masterarbeit im Zentrum, die man wiederum in einer Forschungsgruppe an der ETH absolviert. Hier ist man bereits für ein kleines Forschungsprojekt zuständig.

Wolltest Du von Anfang an Biologie studieren?

Ursprünglich habe ich mich an der ETH für Elektrotechnik eingeschrieben. Ich wusste aber, dass man sich in den ersten vier Wochen an der ETH relativ unkompliziert für einen anderen Studiengang entscheiden kann. Ich habe die Vorlesungen für Elektrotechnik besucht und rasch gemerkt, dass mir das zu mathematisch ist. Ich wusste, wenn mir Elektrotechnik nicht gefällt, dann werde ich Biologie studieren. Ich habe es nicht bereut.

Wie muss man sich das Studentenleben vorstellen?

Man ist nun viel mehr selbst verantwortlich. Wenn am Morgen mein Wecker zu früh klingelt, ich nicht aufmag und die Vorlesung verpasse, dann interessiert das eigentlich niemanden. Diese Freiheit ist natürlich verlockend, man denke nur an all die Studentenpartys, die in Zürich stattfinden. Aber man muss merken, wann die Party zu Ende ist und wann die Zeit zum Lernen gekommen ist. Während der Prüfungsvorbereitungen im Sommer haben wir viel gelernt, von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, fünf, sechs Tage die Woche. Manchmal gibt es im Studium eben nur lernen, lernen, lernen. Wer dazu keine Lust hat, sollte kein Studium anfangen und sich auch keines von Freunden oder Eltern aufschwatzen lassen.»

«Haben Deine Eltern Dich begeistert für die Naturwissenschaft?

Nicht direkt. Meine Eltern sind beide Lehrpersonen mit Weiterbildungen in Heilpädagogik. Als ich meinem Cousin, der an der ETH studiert hat, erzählt habe, dass ich mich für Wirtschaft oder Recht interessiere, meinte er: «Eine Ausbildung in Wirtschaft und Recht kannst Du immer noch nach dem Studium nachholen, zum Beispiel mit einem berufsbegleitenden MBA». Daher habe ich mich für die Naturwissenschaften entschieden.

Treibst Du Sport?

Im Winter bin ich an Wochenenden oft im Bündnerland zum Snowboarden. Hier in Zürich habe ich mit Freunden eine Unihockeymannschaft gegründet und wir nehmen an der uniinternen Meisterschaft teil, jetzt schon im dritten Jahr – wir müssen schliesslich unseren Titel aus dem letzten Jahr verteidigen. Mit Freunden organisieren wir einmal die Woche einen Pokerabend. Ich höre viel Musik, etwa Rap oder Reggae.
 


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